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> Spiritualitt Auf Knopfdruck?, Wissenschaftler brechen mit einer.....
  Geschrieben am: 27.07.2006, 20:45
QUOTE

Spiritualitt auf Knopfdruck?

Stephan Schleim 24.07.2006
Wissenschaftler brechen mit einer Psilocybin-Studie das Tabu spiritueller Erfahrungen
Seit dem Verbot vieler psychedelischer Substanzen in den 60er Jahren waren pharmakologische Studien zur Erforschung spiritueller und mystischer Erfahrungen fr viele unvorstellbar. Mit einer Untersuchung, die letzten Freitag in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Psychopharmacology (Springer Verlag, Berlin) erschienen ist, brachen US-amerikanische Wissenschaftler dieses Tabu: Mehr als die Hlfte der Versuchspersonen, die den psychedelischen Wirkstoff Psilocybin genommen hatten, zhlten ihre Erlebnisse unter die fnf bedeutendsten Erfahrungen ihres Lebens.

   

Die Suche nach dem Sinn des Lebens ist schon seit Jahrtausenden ein menschliches Projekt. Manche erhoffen sich, eine Antwort in spirituellen Erfahrungen zu finden. Daher ist es kaum verwunderlich, dass in religisen Praktiken insbesondere in Mittel- und Sdamerika psychedelische Substanzen eingesetzt werden, die solche Erlebnisse auslsen. Beispiele hierfr sind Meskalin, das im Peyote-Kaktus vorkommt, Ayahuasca, eine spezielle Zubereitung aus Dschungelpflanzen, sowie Psilocybin, das in Pilzen der Gattung Psilocybe (Deutsch auch "Kahlkpfe") enthalten ist.

In der Studie, die Roland Griffiths von der Johns Hopkins Universitt (Baltimore) und William Richards vom Council on Spiritual Practices (San Francisco) mit zwei weiteren Kollegen durchgefhrt haben, wurde den Versuchspersonen der Pilz-Wirkstoff verabreicht. Insgesamt hatten sich zwar 135 auf die von den Forschern verteilten Flyer beworben. Doch nach einem telefonischen Interview wurden nur 54 zu einem persnlichen Gesprch eingeladen, von denen letztlich 36 – darunter 14 Mnner – im Durchschnittsalter von 46 Jahren als geeignet ausgewhlt wurden. Wer beispielsweise als nicht psychisch gesund eingestuft wurde oder schon Erfahrungen mit psychedelischen Substanzen hatte, wurde von den Forschern ausgeschlossen. Eine Voraussetzung fr die Teilnahme war hingegen ein vorhandenes spirituelles Interesse, sodass kaum verwundert, dass 56% der Versuchspersonen angaben, tglich religisen oder spirituellen Aktivitten nachzugehen. Als solche Aktivitten galten etwa Gebete, Meditation, der Besuch eines Gottesdienstes, aber auch schon Singen im Kirchenchor oder die Teilnahme an einer religisen Diskussionsgruppe.

Blinde Versuchskaninchen

Um tatschlich die Wirksamkeit von Psilocybin zu untersuchen und nicht blo die Wunschvorstellungen der Versuchspersonen, haben sich die Forscher ein kompliziertes Studiendesign ausdenken mssen. So wurden die Freiwilligen zu zwei Terminen eingeladen: Beim ersten Termin bekamen nur 15 zufllig ausgewhlte Teilnehmer, ohne dass sie es wussten, den psychedelischen Wirkstoff. Die restlichen 21 bekamen zur Kontrolle Methylphenidat, ein Stimulans, mit dem beispielsweise Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizits-/Hyperaktivittsstrung (ADHD) behandelt werden. Diese Substanz hat zwar psychische Auswirkungen, etwa auf die Aufmerksamkeit, jedoch keine psychedelischen Effekte. Beim zweiten Termin bekamen 15 andere den Pilz-Wirkstoff und der Rest wieder Methylphenidat. Sechs sind bei beiden Terminen also leer ausgegangen. Als Resultat dieser Geheimhaltung wussten weder die zwei Wissenschaftler, die whrend des Versuchs das Verhalten der Teilnehmer beobachten sollten, noch die Freiwilligen selbst, ob sie nun das psychedelische Psilocybin oder die Kontrollsubstanz bekommen hatten.
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Zu jedem der beiden Termine verbrachten die Versuchspersonen jeweils einzeln acht Stunden in der Obhut der zwei Forscher. Nach Einnahme der Substanz wurden sie gebeten, sich auf ein Sofa zu legen, die Augen mit einer Schlafmaske zu verdecken und per Kopfhrer einem klassischen Musikprogramm zuzuhren. In dieser Zeit haben die beiden Beobachter wiederholt physiologische Daten wie Herzschlag und Blutdruck gemessen, aber auch uere Verhaltens- und Stimmungsmerkmale der Teilnehmer mithilfe von Fragebgen aufgezeichnet. Wie die sptere Auswertung ergab, zeigten sich schon nach 30 Minuten deutliche Unterschiede zwischen der Pilz- und der Kontrollgruppe. Beispielsweise schtzten die Beobachter die Aufregung und die erlebte Freude unter den Psilocybin-Personen deutlich hher ein.

Nachgefragt

Am wichtigsten war fr die Auswertungen aber eine Reihe von Fragebgen, welche die Versuchspersonen sieben Stunden nach Einnahme der Substanz ausfllen mussten, wenn die Wirkung wieder abgeklungen war. Damit sollte festgestellt werden, welche Auswirkungen Psilocybin auf ihr Bewusstsein hatte. Die Forscher griffen teilweise auf Fragebgen zurck, die schon in den Drogenexperimenten der 60er Jahre benutzt worden waren, oder auf neuere Entwicklungen, beispielsweise aus der Religionswissenschaft, mit denen man mystische Erfahrungen bewertet. So wurde geprft, ob die Teilnehmer etwa "reines Bewusstsein", ein "Verschmelzen mit der letzten Realitt", die "Einheit aller Dinge" oder die "Transzendenz von Zeit und Raum" erlebt hatten. Auerdem wurde nach tief wahrgenommenen Gefhlen, wie denen der Freude, des Friedens und der Liebe, gefragt.

Aus mehreren Hundert solcher Einzelfragen konnten die Forscher dann bestimmte Messwerte berechnen, welche die Erfahrungen der Versuchspersonen beschreiben. Besonders auffllig war bei den Ergebnissen, das die Antworten der Psilocybin-Gruppe wesentlich hher auf den Skalen fr "ozeanische Entgrenzung", "Furcht vor einer Ich-Auflsung" oder "visuelle Umstrukturierung" abschnitten als die Kontrollgruppe. Auch auf den Skalen fr "Heiligkeit", "tief erlebte positive Gefhle" oder "intuitives Wissen" schnitt diese Gruppe deutlich hher ab.

Bleibende Effekte

Die Forscher haben sich aber nicht nur fr die kurzfristigen Auswirkungen der psychedelischen Droge interessiert, sondern wollten auch wissen, ob die Einnahme bleibende Effekte verursacht. Dafr haben sie zwei Monate spter die Versuchspersonen wieder Fragebgen ausfllen lassen. Es stellte sich heraus, dass selbst nach dieser Zeitspanne ganze 67% der Teilnehmer ihre Psilocybin-Erfahrung entweder als die bedeutendste oder eine der fnf bedeutendsten Erfahrungen ihres Lebens ansahen. Einige verglichen ihre Bedeutsamkeit sogar mit der Geburt ihres ersten Kindes oder dem Tod eines Elternteils. Hufig bezogen sie sich dabei auf Erlebnisse wie das der "Einheit ohne Inhalt" bzw. des "puren Bewusstseins" und der "Einheit aller Dinge". 79% gaben an, die Einnahme von Psilocybin habe ihren "Sinn fr persnliches Wohlbefinden" oder ihre "Zufriedenheit mit ihrem Leben" moderat (50%) oder sehr stark (29%) vergrert. Glcklicherweise meldete keine der Versuchspersonen, durch das Experiment eine Verringerung dieser Kriterien erfahren zu haben. Eine weitere Befragung, ein Jahr nach dem Versuch, ist von den Wissenschaftlern geplant.

Um die Effekte auch mithilfe des sozialen Umfelds zu untersuchen, haben die Forscher zustzlich jeweils drei Personen aus dem Bekanntenkreis der Versuchspersonen, meistens Familienmitglieder und gute Freunde, interviewt. Tatschlich besttigten die Befragten den positiven Eindruck: Nach der Psilocybin-Einnahme, nicht aber bei Methylphenidat, sahen sie positive Auswirkungen auf die Versuchsteilnehmer.

Gleichzeitig muss aber auch erwhnt werden, dass sechs der Freiwilligen durch Psilocybin Niedergeschlagenheit oder Angst erlebt haben, die teilweise die Form paranoider Gedanken annahm. Drei gaben an, dass sie so eine Erfahrung nie mehr wieder machen wollen. Diese Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig die Betreuung bei psychedelischen Erfahrungen ist. Um eine Vertrauensbeziehung zu den Versuchspersonen aufzubauen, hatte einer der Forscher, der spter als Beobachter beim Experiment anwesend war, sich vorher fr jede Versuchsperson acht Stunden Zeit fr Gesprche genommen. Wenn es whrend des Versuchs zu einem Angstzustand kam, konnten die Beobachter die Person durch gutes Zureden oder Berhrungen an der Hand oder Schulter beruhigen. Zum Glck verschwanden diese negativen Erlebnisse sptestens dann, wenn die Wirksamkeit der Substanz nachlie.

Spiritualitt auf Abruf?

Roland Griffiths und seine Forscherkollegen haben in ihrem Experiment mit modernen wissenschaftlichen Methoden gezeigt, dass sich mit Psilocybin bestimmte Erfahrungen erzeugen lassen, deren Erlebnisgehalt groe hnlichkeit mit mystischen oder spirituellen Erlebnissen hat, die aus religisen Kontexten bekannt sind. Sehr erstaunlich ist auch, dass selbst zwei Monate spter viele Versuchspersonen ein gesteigertes Wohlbefinden berichteten und das Psilocybin-Erlebnis unter ihre fnf bedeutendsten Lebenserfahrungen einordneten. Der Wirkstoff unterliegt aber in den USA, wo die Studie durchgefhrt wurde, der schrfsten Stufe fr kontrollierte Substanzen. Auch in Deutschland fllt er unter das Betubungsmittelgesetz und gilt als "nicht verkehrsfhiger und nicht verschreibungsfhiger Stoff". Dieses Schicksal haben Psilocybin und verwandte Substanzen, wie zum Beispiel LSD und DMT, dem weit verbreiteten Missbrauch in den 60er Jahren zu verdanken. Gleichzeitig zeigt aber auch die Studie, dass ein kontrollierter und verantwortungsvoller Umgang einschlgige und von den Freiwilligen als positiv bewertete Lebenserfahrungen bewirken kann. Dabei muss jedoch insbesondere an den aufwndigen Auswahl- und Betreuungsprozess der Versuchsleiter erinnert werden. Mit zufllig aus der Bevlkerung ausgewhlten Personen und ohne die kompetente Betreuung htte die Studie auch ganz anders ausgehen knnen.

Der Philosoph Thomas Metzinger von der Universitt Mainz schlug krzlich mit seinem "LSD-Fhrerschein" ein kontrolliertes Modell vor, das einzelnen, die auf eine Selbsterfahrungsreise gehen wollen, nach theoretischen und praktischen Prfungen – hnlich wie beim Autofhrerschein – in begrenztem Ma den Konsum von LSD erlauben soll. Von so einer Legalisierung – oder vielmehr Lizenzierung – psychedelischer Drogen sind wir noch weit entfernt. So erinnert beispielsweise Herbert Kleber, Psychiater an der Columbia University (New York) und Experte fr Drogenmissbrauch, zu recht an die zahlreichen Opfer der Drogenrevolution der 60er Jahre und sieht die Studie von Griffiths mit kritischen Augen: "Die positiven Funde dieser Studie werden in einigen die Bedenken erzeugen, dass sie Jugendliche zu Versuchen mit diesen Substanzen verleitet. Mit Blick auf die Geschichte sind solche Bedenken nicht ungerechtfertigt."

Kleber gibt aber auch zu, dass sich im Zeitalter des Internet, wo sich Jugendliche in zahlreichen Chatrumen oder auf Webseiten ber die Anwendung solcher Wirkstoffe informieren knnten, durch diese Studie nicht viel ndern werde. Er und einige seiner Kollegen, zum Beispiel Charles Schuster, Psychiater an der Wayne State Universitt (Detroit), weisen aber auch auf mgliche klinische Anwendungen psychedelischer Substanzen hin: "Es ist absolut vorstellbar, dass psychotropische Wirkstoffe, die diese Erfahrungen erzeugen, eine Rolle in der Behandlung von Suchtzustnden haben. Spiritualitt ist schon seit langer Zeit ein wesentlicher Punkt in der Behandlung von Alkoholismus und anderen Formen der Drogensucht", so Schuster. David Nichols von der Purdue Universitt (West Lafayette, USA) weist sogar auf frhere Studien hin, in denen beispielsweise LSD in der Behandlung sterbenskranker Krebspatienten benutzt wurde, um deren Angst vor dem Tod und Schmerzen zu reduzieren.

Bis wir "Spiritualitt auf Knopfdruck" gesellschaftlich zulassen oder die Mglichkeit berhaupt erstmal offen diskutieren, ist es sicher noch ein weiter Weg. Die Studie von Griffiths und seinen Kollegen zeigt aber, ebenso wie die Meinungen angesehener Psychiater, dass die Wirkstoffe nicht nur einseitig Dmonisierung verdienen, sondern auch im Hinblick auf ihren Nutzen – sei es zur Therapie oder Selbsterfahrung – diskutiert werden mssen.
Antilogika
Unregistered
    

  Geschrieben am: 28.07.2006, 15:00
Herzlichen Dank fr diese News.

mfg Marwel




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  Geschrieben am: 1.08.2006, 12:47
sehr schn =)




I was an atheist until I realized I was God.
s1m
Die Sinnlosigkeit
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  Geschrieben am: 15.08.2006, 0:41
QUOTE
Auch in Deutschland fllt er unter das Betubungsmittelgesetz und gilt als "nicht verkehrsfhiger und nicht verschreibungsfhiger Stoff".


Gut dass wir in der EU sind, laut EU-Gesetz drfen Pilze nicht verboten werden, und wir ewig Reisende sind fein aus dem Schneider. wink.gif

Verschickte Gre
Zeus

Thx fr die News Marru smile.gif




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Why drink and drive, when you can smoke and fly...
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Junky
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